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Dampfross» Forums » Reviews

Subject: Gedanken zu Dampfross rss

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Gerald Friedrichs
Germany
Hamburg
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So versuche ich mich (nach Ruhm für Rom) mal an ein paar Gedanken zu Dampfross. Da es mein zweiter Versuch ist, soll natürlich nicht der Verweis auf den ersten Versuch von ein paar Gedanken fehlen. Wer also Lust auf Ruhm für Rom hat, der sei dahin verwiesen.
http://www.boardgamegeek.com/thread/750684/gedanken-zu-ruhm-...

Hier aber dennoch über Dampfross. Wir haben die Schmidt Spiele Fassung von 1984 gespielt. Also die mit der "Spiel des Jahres" Auszeichnung.

Einleitung, Gestaltung und Geschichte.
Bei dem Spiel handelt es sich um eines der vielen Eisenbahnerspiele. Es gibt aber dennoch ein paar Besonderheiten. Zum einen teilt sich das Spiel in zwei Phasen. In der ersten Phase geht es darum, sich ein Startnetz aus Schienen anzulegen. In der zweiten Phase werden Rennen gefahren. Zum anderen werden Schienen mit Hilfe von Stiften auf dem abwaschbaren Spielbrett markiert. Das funktioniert dabei erstaunlich gut, wenn man keine zu dicken Stifte verwendet. Zu den Originalstiften kann ich nichts mehr sagen. Die sind nämlich seit dem letzten Spielen eingetrocknet.
Von der Gestaltung her ist das Spiel eher schlicht gehalten. Was aber auch gut so ist. Andernfalls würde man sicherlich zwischen den vielen Strichen (für die Schienen) und den anderen Gestaltungselementen die Übersicht verliehren. Das Spiel soll doch eher um das Bauen von Schienen als um das Suchen nach schon gebauten Schienen gehen.
Die Idee des Spiels kommt in der ersten Phase leider nicht so gut rüber. Man baut zwar ein Schienennetz mit all den Problemen, die dazugehören. (Der Gegner baut in den Weg, man selber schafft nicht genug, bevor die zweite Phase beginnt, irgendwie will man immer überall gleichzeitig sein, ...) Aber da man für das Bauen keine Ressourcen verwenden muss, bleibt doch ein Eindruck von Willkürlichkeit haften. In der zweiten Phase soll wohl der Betrieb der Eisenbahngesellschaft simuliert werden. Das kommt so gar nicht rüber. Dann schon lieber der Eindruck von Rennen, die gefahren werden. Hier kommt wirklich Spannung auf, wenn man den Realismus mal weg lässt. Wer fährt schon Eisenbahnrennen durch Deutschland?

Spielerzahl und Dauer.
Die Spielzeit ist mit 90 Minuten recht realistisch angegeben. Wobei die Schwankungen sehr groß sein können. Bauen alle Spieler in der ersten Phase einfach nur so schnell wie möglich an alle Städte, so ist auch die zweite Phase recht schnell, da bei vielen Rennen nicht alle mitmachen können, was die Zeiten doch deutlich verkürzt. Und umgekehrt.
Das Spiel ist mit 2-6 Spielern angegeben und es ist genügend Material drin um das auch durchzuführen. Doch könnte ich mir vorstellen, das es mit fünf oder sechs Spielern schnell unübersichtlich wird. Da nicht nur "Benutzungsgebüren" an die anderen zu Zahlen sind, sondern auch noch die Differenz zu den erhaltenen Benutzungsgebüren gebildet werden muss, wird es doch sicherlich schnell zu einer willenlosen Rechnerei. Wir haben zu dritt gespielt. Das hat recht gut funktioniert. Zu zweit wird es sicherlich noch mal einfacher, auch wenn es dann möglicherweise nicht mehr so interessant ist. Es hat ja auch etwas zu überlegen, ob man nun den eigenen, etwas längeren Weg nimmt, oder lieber den gegnerischen gegen etwas Gebühr. Mit mehr Spielern gibt es halt mehr gegnerische Wege.

Anspruch und Tiefe.
Das Spiel ist recht locker und einfach auch mit einer Gruppe von neuen Spielern zu spielen. Es gibt zuden doch den einen oder anderen Gedanken, den man sich mal machen kann und der sich sicherlich auch auswirkt. Doch ist der Vorteil dadurch nicht so groß, dass man in dem Spiel dann sicher gewinnt. Man kann auch mit den Überlegungen durchaus noch gegen "Erstspieler" spielen. Nur beim Aufbau der Schienen in der ersten Phase ist ein wenig Erfahrung wirklich hilfreich. Das kann man den anderen ja aber auch einfach sagen. So etwas wie: "Ein Hauptstrang mit vielen Verzweigungen ist sicherlich sinnvoller als ein Rundweg." Problem bei einem Rundweg ist nämlich, dass man außen rum muss und nicht die Abkürzung durch die Mitte nehmen kann.

Glück.
Es werden Würfel geworfen. Damit ist Glück natürlich ein deutlicher Anteil. Es werden aber sehr viele Würfel geworfen und damit gleicht sich das im Laufe des Spiels wieder recht gut aus. Es gibt noch einen zweiten Glücksfaktor. Die Start- und Zielstädte der Rennen werden ausgewürfelt. Das gleicht sich leider nicht so gut aus, da das zum einen nicht so oft passiert und da jemand, der zu Anfang gleich ein paar mal Glück hat, doch schon einen großen Vorteil erlangt. Derjenige kann dann viel mehr investieren in den Ausbau seiner Schienen und hat damit einfach bessere Chancen. Dieses Glückselement kann aber leicht ausgeglichen werden. Dafür gibt es hier ja einige Vorschläge. (Ausstreichen von Städten, Karten ziehen und weglegen, Fortlaufende Rennen, ...)

Wiederspielwert.
Was macht Wiederspielwert aus? Aus meiner Sicht zwei Dinge. Zum einen sollte es keine Strategie geben, die immer gut funktioniert. Das ist hier nicht der Fall. Dagegen spricht Glück und wie oben schon geschrieben, der recht geringe Einfluss von Erfahrung. Zum anderen sollte es Elemente geben, die in jedem Spiel anders sind. Und davon gibt es hier reichlich. Es gibt verschiedene Karten (zumindest mal vier in der Version, die ich habe) und auf manchen Karten kann man noch aus verschiedenen Startorten wählen. Immer spielt das Spiel sich dadurch etwas anders. Man hat also doch reichlich Einfluss darauf, wie unterschiedlich ein Spiel zum nächsten Spiel ist. Das ist also ein klares: Hoher Wiederspielwert.

Fazit, Vergleiche und persönliche Meinung.
Insgesamt ist es ein nettes Familienspiel. Gewiefte Taktiker kommen auf ihre Kosten, doch ist der Vorteil nicht so groß, dass es langweilig wird. Aus dem Bauch Spieler halten mit und können sich ohne Probleme an kleinen Dingen erfreuen. "Endlich ist es gelungen die Ruhr zu überqueren." Oder "Diese Strecke bin ich schon mal gefahren.". Die Spieler, die immer gewinnen wollen, haben hier viele kleine Zwischenziele, die es zu erreichen gilt. Nicht nur die einzelnen Rennen in der zweiten Phase, sondern auch wer zuerst in einer Stadt ist. Hier gibt es doch immer wieder mal so eine kleine Zwischenwertung zwischen den Spielern.
Vergleiche kann ich bei dem Spiel kaum anstellen. Es ist kein Strategiespiel und will auch keines sein. Es ist kein Wirtschaftspiel und will auch keines sein. Es ist nicht so seicht wie manches Familienspiel. Und es ist nicht sonderlich Glücksabhängig. Es ist einfach ein nettes Spiel für mal zwischendurch, bei dem sicherlich fast jeder Spielertyp etwas finden kann, das ihm gefällt.

Für den kleinen Preis (seht mal in die Bucht) kann ich das Spiel nur empfehlen. Es ist zwar nicht in so all zu vielen Situationen einsetzbar, aber wenn, dann ist es durchaus eine Bereicherung. Ich habe es für mich mit 7 bewertet.
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